Wer sind die besten Steuerprofis in Deutschland? FOCUS-MONEY hat bundesweit die Kompetenz der Steuerberater getestet.

WIR WURDEN AUSGEZEICHNET

Quelle: FOCUS-MONEY 24/2021 von Martina Simon

Egal, ob Firmengründer, Selbstständiger oder Gewerbetreibender – viele Unternehmer sind durch die Corona-Krise in schwieriges Fahrwasser geraten. Bleiben Einnahmen eines Betriebs nämlich über mehrere Monate aus und laufen die Kosten des Unternehmens unerbittlich weiter, geht Firmenchefs und Selbstständigen schnell die finanzielle Puste aus.

Wenn es um die Rettung von Existenzen geht, stehen Steuerberater hierzulande an erster Stelle. Sie sind Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um Anträge für Corona-Hilfen, Sanierung oder die Abwendung drohender Insolvenzverfahren geht. Die Krise hat aber auch das Dilemma für den Berufsstand zutage gefördert. „Bei den Corona-Hilfen waren Bürokratiewahnsinn und eine mangelhafte IT anfangs kaum auszuhalten“, schildert Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer (BStBK), die schwierige Lage für Steuerberater. „Corona hat uns gnadenlos vor Augen geführt, wie verkrustet dieses Land ist“, sagt Schwab weiter. Steuerberater haben in dieser Zeit aber Großartiges für die Gesellschaft geleistet. Binnen kürzester Zeit haben sie diesem Bürokratiewahn und digitalen Kniffligkeiten tapfer die Stirn geboten und es mit allen Kräften geschafft, die notwendigen Gelder für die betroffenen Firmeninhaber zu beantragen. Mit großem Aufwand ist es gelungen, sich gegen einen drohenden Einbruch der deutschen Wirtschaft zu stemmen.

Digitale Weichen richtig stellen. Jetzt gilt es, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Denn der Steuerberater von morgen muss zukunftsfest aufgestellt sein. Zu den Brennpunktthemen zählen neben dem Abbau des Bürokratiewahns, Systemgerechtigkeit und Praktikabilität der Gesetzgebung die Digitalisierung sowie der Datenschutz. FOCUS-MONEY hat sich zum 16. Mal in Folge auf die Suche gemacht, um die Steuerkanzleien bundesweit ausfindig zu machen, die hervorragende Beratungsleistungen anbieten, aber auch konsequent mit der Zeit gehen. Im Auftrag von FOCUS-MONEY hat Projektleiter Ulf Hausmann zusammen mit Betriebsprüfern einen umfassenden Fragebogen unterbreitet, um wichtige Kennzahlen und die Fachkompetenz abzufragen. Die Prüfung der Fachfragen wurde dabei von Steuerökonom Professor Kay Blaufus von der Leibniz Universität
in Hannover übernommen.

Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage belegen: „Insgesamt haben sich verhältnismäßig große und erfolgreiche Kanzleien an der Umfrage beteiligt, sodass die Ergebnisse eher die ,Klassenbesten‘ der Branche darstellen“, zieht Ulf Hausmann Bilanz. „Insbesondere die zunehmende Spezialisierung zeigt, dass die Steuerkanzleien sich auf die komplexer werdenden Beratungsfelder einstellen“, so der Umfrageleiter. Durch die Corona-Krise war zudem ein Trend hin zum Berater mit Spezialkenntnissen in bestimmten Fachbereichen und Branchen zu beobachten wie etwa Sanierung, Insolvenz, Handwerker, Immobilien und der Baubranche.

So hat FOCUS-MONEY getestet

Welcher Steuerberater ist kompetent? FOCUS-MONEY hat die TOP-Steuerberater bundesweit auf die Probe gestellt. Worauf es beim Test ankam:

Um unter mehr als 100 000 Steuerexperten kompetente Berater zu finden, initiierte FOCUS-MONEY zusammen mit Projektleiter Ulf Hausmann und Betriebsprüfern einen Test. Der wissenschaftliche Leiter Ulf Hausmann stellte zum 16. Mal in Folge in einer empirischen Erhebung die Kompetenz und Spezialisierung von Steuerberatern auf den Prüfstand. Die Experten interessierten sich außer für die Qualifikation der Berater und Mitarbeiter auch für die regelmäßigen Weiterbildungsmaßnahmen. Im FOCUS-MONEY-Test war zudem das Knowhow der Steuerprofis in puncto Spezialisierung und Branchenwissen gefragt. Ebenso wollten die Tester wissen, ob die Berater ihren Mandanten Finanzplanung, Controlling und Kostenrechnung als Instrument der Unternehmenssteuerung anbieten. Wichtig war den Testern zudem die Umsatzentwicklung der letzten Jahre. Punkte wurden auch vergeben, wenn die Kanzlei mit einem ISO-9000-Qualitätssiegel ausgestattet war. Abgefragt und bewertet wurde darüber hinaus die Nutzung digitaler Kommunikationswege. Die Auswertung beruht auf Eigenangaben der Kanzleien.

Zusätzlich zu den Fragen des Projektleiters lieferten Betriebsprüfer noch 24 knifflige Fachfragen zu Steuerdetails.Die Ergebnisse der Fachfragen machen 60 Prozent des Gesamtergebnisses aus. Die Prüfung der Fachfragen wurde in Zusammenarbeit mit Steuerökonom Professor Kay Blaufus von der Leibniz Universität in Hannover durchgeführt. Bei der Auswertung wurde differenziert, ob es sich um eine kleine, eine mittelgroße oder eine große Kanzlei handelt – ab hängig von der Zahl der Mitarbeiter, die am jeweiligen Standort tätig sind. Klein war die Kanzlei mit bis zu zehn Mitarbeitern, mittelgroß bei elf bis 24 Mitarbeitern, und ab 25 Mitarbeitern galt die Kanzlei als groß. Im Test konnten die Kanzleien eine Gesamtpunktzahl von maximal 66 Punkten erreichen. In Abschnitt I acht Punkte in Teil A „Kanzleistruktur“, fünf in Teil B „Branchenspezialisierung“, zwei in Teil C „Fachspezialisierung“. In Abschnitt II „Fachliche Qualifikation und Fortbildung“ maximal fünf Punkte, sechs Zähler in Abschnitt III „Rechnungswesen und betriebswirtschaftliche Beratung“ und zehn Punkte in Abschnitt IV „Personalführung und Fehler“ sowie sechs in Abschnitt V „Mandanten“. 24 Punkte waren in Abschnitt VI „Fachfragen“ zu holen. Die Daten wurden anonymisiert ausgewertet.

Die Umfrage wurde vom 5. März bis zum 1. April 2021 durchgeführt. Knapp 10 000 Steuerkanzleien wurden per E-Mail angeschrieben. Zudem wurde auf die Umfrage in FOCUS-MONEY sowie auf den Internet-Seiten von FOCUSMONEY unter www.focus.de/steuerberater hingewiesen. Die Auswertung berücksichtigt nur Kanzleien, die an der Umfrage teilgenommen haben, und ist nicht repräsentativ. Bei der Auswertung wurde von einer Branchen-/Fachspezialisierung ausgegangen, wenn die Kanzlei mindestens 15/10 Prozent ihres Gesamtumsatzes in diesem Bereich erzielte. Die in den Tabellen ab Seite 63 ff. aufgeführten Kanzleien wurden nach der Auswertung nach Postleitzahlen aufgelistet.

Ergebnisse kompakt

Die FOCUS-MONEY-Steuerberaterumfrage gibt interessante Einblicke in die Branche. Neben hohem fachlichem
Know-how sind Berater auf Branchen und Fachbereiche spezialisiert. Verstärkt setzen sie auf digitale Lösungen.

Die Branche der Steuerberater wächst – kontinuierlich und unaufhaltsam. Erstmals agieren über 100.204 Steuerberater hierzulande bundesweit. 1962 waren es erst 24.081 Steuerberater. Damit kamen durchschnittlich knapp 1300 Steuerberater pro Jahr hinzu. Insgesamt gibt es derzeit 10.786 Steuerberatungsgesellschaften. 1962 waren es gerade mal 162.

Zunehmend schließen sich Steuerberater großen Beratungsgesellschaften an. Das bestätigt den allgemeinen Trend. Nur noch etwa 68 Prozent der rund 100.000 Steuerberater in Deutschland sind selbstständig. Vor etwa 30 Jahren lag die Quote noch bei 80 Prozent. Auch der Frauenanteil wächst. Inzwischen sind knapp 40 Prozent der Berater weiblich.

Knapp 47 Prozent der an der FOCUS-MONEY-Umfrage teilnehmenden Steuerkanzleien generieren einen Umsatz von mehr als 1,5 Mio. Euro pro Jahr. Lukrative Einnahmequellen sind dabei Buchhaltung und Jahresabschlüsse, gefolgt von Nachfolgeberatung, Körperschaft- und Einkommensteuererklärungen (Unternehmen) sowie der betriebswirtschaftlichen Beratung.

Viele Steuerkanzleien haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert. Sehr beliebt sind bei den Teilnehmern der FOCUS-MONEY-Umfrage etwa: Industrie und verarbeitendes Gewerbe, Handwerker, Ärzte und Zahnärzte, Immobilien- und Baubranche sowie die internationale Steuergestaltung. 84 Prozent erhalten Neumandate über Empfehlungen ihrer Mandanten.

74 Prozent der Kanzleien versenden E-Mail-Newsletter, um die Mandanten mit Unternehmens- und Fachinformationen zu versorgen. Fast 60 Prozent nutzen einen Facebook-Auftritt zur Kundenbindung. Neben Xing, LinkedIn, Tweets auf Twitter betreiben immer mehr Kanzleien zudem eigene Info-Blogs im Internet und vebreiten Unternehmensneuigkeiten per Instagram und Kununu.

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